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Im zweiten Teil meines Einsteigerleitfadens für Frostgrave geht es primär um das Thema Gelände. Da Gelände sowohl optisch als auch spieltechnisch viel ausmacht, sollte man sich frühzeitig Gedanken zu diesem Thema machen. Im nachfolgenden Artikel werde ich versuchen, dir Schritt für Schritt aufzuzeigen, wie man an das richtige Gelände kommt:

1. Schritt: Die Spielfläche

Zunächst solltest du dir darüber Gedanken machen, worauf du überhaupt spielen kannst bzw. möchtest. Frostgrave ist zum Glück ein System, was mit relativ wenig Platz auskommt.
Ein Standartspiel Frostgrave benötigt eine Grundfläche von 90×90 cm. Somit kann man dafür z.B. den Küchentisch zweckentfremden.

Fertig aufgebautes Frostgrave-Spielfeld mit Spielmatte auf einem Küchemtisch

Aufgrund der geringen Spielfeldgröße lässt sich Frostgrave auch auf Küchen- oder Esstischen spielen

Alternativ könnte man z.B. auch eine Holzplatte auf zwei „Malerböcke“ legen und darauf dann das Spielfeld aufbauen. Dies hat den Vorteil, dass man sehr flexibel bezüglich der Größe ist und nach dem Spiel schnell und einfach alles wieder abbauen kann.
Wer sich übrigens gleich einen ganzen (beleuchteten) Spieltisch bauen möchte, kann sich dieses Tutorial mal zu Gemüte führen!

2. Schritt: Der Untergrund

Zusammengefasst gibt es 3 Möglichkeiten, wie man den Spieltisch ansprechender gestalten kann:

Die Spielmatte.

Spielmatten erfreuen sich dank fortschrittlicher Druckmethoden zunehmender Beliebtheit. Es gibt zahlreiche Hersteller und Varianten. Ich persönlich verwende eine Matte von Pwork Wargames und bin damit sehr zufrieden.
Der unschlagbare Vorteil einer Spielmatte besteht darin, dass man diese nach dem Spiel einfach zusammenrollen und platzsparend verstauen kann. Außerdem kann man für jedes Spiel das Spielfeld neu gestalten und die einzelnen Geländestücke gänzlich anders verteilen. Ein großer Nachteil besteht allerdings darin, dass die Spielfläche grundsätzlich sehr Flach und eindimensional ausfällt. Dies lässt sich aber durch entsprechende Geländestücke (wie z.B. Plattformen) beheben.

Detailansicht der Spielmatte. Zum Größenvergleich steht eine Miniatur im 28mm Maßstab darauf.

Durch die Nahaufnahme erkennt man den sehr hohen Detaillierungsgrad der Spielmatte

Die Modulare Platte

Optisch schon ansprechender aber auch Platzraubender ist eine Modulare Platte. Man könnte zum Beispiel für Frostgrave 9 Platten à 30×30 cm bauen und diese immer wieder anders zusammenstellen. Somit hat man immer noch genug Flexibilität, damit keine Langeweile aufkommt. Der Planungs- und Bastelaufwand für solch ein Modulares Spielfeld ist aber nicht zu unterschätzen.

Eine feste Platte

Die platzraubendste aber auch optisch ansprechendste Lösung stellt wohl eine feste Platte dar. Wenn man das Internet durchforstet findet man regelrechte Meisterwerke, die ihresgleichen suchen. Da wäre z.B. Helms Klamm für der Herr der Ringe oder die Demoplatte für Freebooters Fate 2 von der Spiel! 2018.
Auch wenn diese Platten unglaublich gut aussehen, besteht immer die Gefahr, dass irgendwann Langeweile aufkommt, da man immer wieder das gleiche Spielfeld hat.

3. Schritt: die eigentlichen Geländestücke

Hast du dich für einen Untergrund entschieden, benötigst du noch entsprechende Geländestücke. Das können bei Tabletopspielen mal mehr und mal weniger sein. Doch gerade bei Frostgrave ist Gelände unglaublich wichtig, sonst sind bestimmte Zaubersprüche wie z.B. der„Elementarpfeil“ einfach zu übermächtig.

Daher sollte das Gelände möglichst so gestaltet sein, dass es lange Sichtlinien verhindert. Zum Setting passen dafür vor allem Ruinen und Gebäude. Es bietet sich an, verschiedene spielbare Ebenen bzw. Stockwerke mit einzubauen und diese möglichst verwinkelt und verschachtelt zu gestalten.

Außerdem stellt sich noch grundlegend die Frage, ob man die Gebäude und Geländestücke selbst anfertigen oder kaufen möchte. Neben eurem handwerklichen Geschick hängt das vor allem von eurem Geldbeutel ab: während der Selbstbau verhältnismäßig günstig ist, kann gekauftes Gelände schnell richtig ins Geld gehen. Vor allem, wenn man so viel zum Spielen benötigt wie bei Frostgrave.

Gekauftes Gelände:

Es gibt für Geländestücke zahlreiche Hersteller in verschiedenen Detail- und Preisklassen. Während z.B. Grendel relativ günstig ist, kann man bei Tabletop-World schnell ein kleines Vermögen ausgeben. Und das für nur ein Gebäude. Auch gibt es Unterschiede in der Herstellung und dem verwendeten Material. Die Gebäude von 4Ground sind z.B. aus MDF.

Andere gängige Materialien sind Plastik, Resin und Gips/Stevalin. Letzteres nutzt der Hersteller Fantasystones um daraus verhältnismäßig preisgünstige Gebäudebausätze herzustellen. Ich habe selber einige Ruinen von Fantasystones im Einsatz. Hinsichtlich Preis-Leistung sind diese mein klarer Favorit was Gebäude betrifft: Für 100€ bekommt man genug Materialien, um ein 90×90 Spielfeld für Frostgrave mehr als ausreichend zu füllen.

Selbstgebautes Gelände:

Deutlich günstiger aber auch aufwendiger ist es, Geländestücke selbst herzustellen. Im Prinzip reicht für den Anfang ein Cuttermesser, Hartschaumplatten (Umgangssprachlich auch Styrodur genannt, wobei es sich dabei ähnlich wie bei Tempo um einen Markennamen handelt) und einen Bleistift. Abgesehen davon natürlich auch das nötige Maß an Phantasie und Kreativität. Allerdings gibt es auch genügend Tutorials im Internet (Stichwort TWS) um sich an das Thema Geländebau langsam heran zu tasten.

Wenn man Geländebau aber ernsthafter betreiben möchte, empfehle ich wirklich jedem einen Proxxon Thermocut. Dieser Heißdrahtschneider ist mit seinen etwas über 80€ zwar nicht unbedingt ein wahres Schnäppchen, aber wirklich jeden Cent wert. Und wenn man schon dabei ist, kann man sich noch gleich die Tools von Gerard Boom dazukaufen. Damit macht man sich das „Geländebauerleben“ nochmal um einiges leichter.

Ich benutze neben dem Heißdrahtschneider noch die erweiterte Führungsschiene und den Kreisschneider von Gerard Boom und bin mehr als zufrieden damit.
Wenn man das nötige Material und die passenden Werkzeuge hat, sind der Kreativität keine Grenzen mehr gesetzt. Für Frostgrave bietet sich vor allem „Dreidimensionales Gelände“ an. Damit ist gemeint, mehrere Stockwerke oder Ebenen auf dem Spielfeld zu haben. Das lässt sich zum Beispiel mit verschiedenen Plattformen gut realisieren. Wenn man darauf dann noch mehrstöckige Ruinen stellt, hat man dreidimensionales Gelände, welches trotzdem noch ausreichend flexibel und modular ist.

Fazit:

Zusammengefasst kann man über Gelände für Frostgrave (aber auch für Tabletop generell) sagen, dass man sich vorab einige Gedanken zu diesem Thema machen sollte:

Was möchte ich investieren?
➡ Eigenbau oder gekauftes Gelände?

Wann soll es fertig sein, bzw. wie viel Zeit möchte ich dafür aufbringen?
➡ Kommt Eigenbau überhaupt in Frage?

Wie viel Platz habe ich zur Verfügung?
➡ Wie groß wird das Spielfeld; Modulare oder feste Platte oder doch nur eine Spielmatte?

Dauerhaft?
➡ Kann ich mir eventuell einen extra Spieltisch anschaffen/ selber bauen?

Lege ich viel Wert auf die Optik oder soll es Zweckmäßig sein?
➡ Wie detailreich möchte ich mein Gelände gestalten?

Und wie viel auf Flexibilität und Wiederspielbarkeit?
➡ Modulares Gelände oder eine feste Platte?

Erst wenn du diese Fragen für dich selbst beantwortet hast, solltest du mit dem Einkauf bzw. Bau beginnen. Nichts ist ärgerlicher, als wenn du Tage und Wochen in den Selbstbau investierst um dann festzustellen, dass dir deine Platte nach zwei Partien schon langweilig wird…!

Abschließend noch ein paar Worte über die Materialien, bzw. das Gelände, welches ich verwende:
Mangels Platz Spiele ich aktuell auf dem heimischen Küchentisch. Als Untergrund benutze ich eine Spielmatte, worauf ich dann mithilfe von Plattformen und mehrstöckigem Gelände ein möglichst dreidimensionales Gelände „aufsetze“. Die Ruinen sind entweder selbst gemacht oder aber von Fantasystones.

Spielmatte mit Plattformen und mehrstöckigen Ruinen für Frostgrave

Plattformen und mehrstöckige Ruinen auf einer Spielmatte: diese Lösung ist ein guter Kompromiss aus Optik, Flexibilität und Spielbarkeit.

Außerdem probiere ich mich gerade an einem „Plattensystem“, welches aus einzelnen 30x30cm Platten besteht. Diese sollen sowohl als freistehende Plattformen, als auch als zusammenhängende, modulare Platten einsetzbar sein. Ich bin mal gespannt ob mein Plan aufgeht!
Wir werden sehen…

Frostige Grüße aus Felstad

Chris